Supernova 1987A hat sich schon einmal totgestellt, 20.000 Jahre vor der Explosion

Thomas Schmidt

26. August 2026

Wenn ein Stern verschwindet, tippen Astronomen auf ein Schwarzes Loch. Noam Soker zeigt, dass der Stern von 1987A jahrhundertelang genauso ausgesehen hätte, obwohl ihm nichts fehlte.

Der Vorgängerstern von Supernova 1987A schleuderte rund 20.000 Jahre vor seinem Ende einen dichten Materiering ins All, und für gedachte Beobachter in der Ebene dieses Rings verdunkelte sich der Stern dadurch über Jahrhunderte auf einen kleinen Rest seiner Helligkeit.

Nach heutigen Maßstäben hätten diese Beobachter den Fall als „gescheiterte Supernova“ abgehakt, also als Stern, der ohne Explosion in einem Schwarzen Loch verschwindet.

Noam Soker vom Technion in Haifa hat diese Lichtkurve aus Masse, Größe und Dichte der längst vermessenen Ringe nachgerechnet.

Sein Wert trifft ziemlich genau die Helligkeit, die man bei den bekanntesten echten Kandidaten für gescheiterte Supernovae tatsächlich misst, und das stärkt den Verdacht, dass diese Sterne gar nicht gestorben sind, sondern nur verhüllt.

Sterne, die aufhören zu leuchten, ohne zu explodieren

Ein Stern mit vielfacher Sonnenmasse endet üblicherweise in einer Supernova, deren Licht wochenlang eine ganze Galaxie überstrahlt. Seit einigen Jahren kennt man aber Fälle, in denen ein solcher Riese aus den Durchmusterungen einfach verschwindet, ohne dass zuvor etwas aufleuchtet.

Die naheliegende Deutung lautet: Der Kern stürzt in sich zusammen, es bildet sich ein Schwarzes Loch, und die Hülle wird verschluckt, statt fortgeschleudert zu werden.

Genau das sagt die gängigste Erklärung für Supernova-Explosionen, das Neutrino-Modell, für einen nennenswerten Anteil massereicher Sterne voraus.

Warum sich Verhüllung und Untergang von außen kaum unterscheiden lassen

Das Problem steckt in der Entfernung. Die betreffenden Sterne stehen in anderen Galaxien und erscheinen selbst in großen Teleskopen nur als Lichtpunkt, sodass man nicht nachsehen kann, ob dort noch etwas steht.

Ein Stern, der kollabiert ist, und ein Stern, vor dem sich frisch ausgeworfener Staub geschoben hat, liefern dasselbe Signal, nämlich einen Punkt, der schwächer wird und schwach bleibt.

Abwarten hilft nicht, weil sich solche Staubschleier über Jahrhunderte auflösen und nicht über Jahre.

Wie Noam Soker den Beobachterplatz verschoben hat

Soker, Physiker am Technion in Haifa und alleiniger Autor der Studie, hat dafür kein Teleskop gebraucht. Er nimmt die seit Jahrzehnten publizierten Messwerte des Ringsystems von 1987A, also die Ausdehnungsgeschwindigkeit, die Masse und die Lage der drei Ringe zueinander, und setzt sie in eine überschlägige Beziehung ein, die abschätzt, wie viel Licht des Zentralsterns bei einem Beobachter in der Ringebene ankommt.

Diese Ringe entstanden, als der Vorgängerstern einen kleineren Begleitstern verschluckte und dabei Gas in seine Äquatorebene abstieß.

Die Arbeit liegt als Preprint auf arXiv und ist bislang nicht unabhängig begutachtet worden.

Der innere Ring allein macht es zu dunkel

Rechnet man nur mit dem inneren Ring, kommt bei einem Beobachter, der genau in dessen Ebene liegt, weniger als ein Prozent der Sternhelligkeit an.

Das wäre praktisch Schwärze und damit dunkler als alles, was man bei den echten Verschwindekandidaten beobachtet hat.

Der Widerspruch löst sich erst über die beiden äußeren Ringe, die schräg über und unter der Äquatorebene stehen und einen Teil des Sternlichts auffangen und in Richtung des Beobachters weitergeben.

Zusammen liefern sie rund fünf Prozent der ursprünglichen Helligkeit, und dieser Wert liegt dicht bei den sieben Prozent, die man bei M31-2014-DS1 gemessen hat, einem der beiden prominenten Kandidaten.

Ein Einbruch über Jahrhunderte, gefolgt von einer Rückkehr

Zwischen dem Auswurf der Ringe und der eigentlichen Explosion lagen etwa 20.000 Jahre, also ungefähr die Zeitspanne, die uns heute von der letzten Eiszeit trennt.

In den ersten Jahrhunderten dieser Zeitspanne wäre der Stern für äquatoriale Beobachter auf jene fünf Prozent abgesackt, danach wurden die äußeren Ringe durchsichtig, und über einige tausend Jahre kletterte die Helligkeit langsam wieder auf ihren alten Wert.

„Es gab keinen Kernkollaps, keine Entstehung eines Schwarzen Lochs, und nichts ist gescheitert“, schreibt Soker über dieses gedachte Ereignis.

Was das für die Suche nach stillen Schwarzen Löchern bedeutet

Soker zieht daraus den Schluss, dass der Anteil wirklich gescheiterter Supernovae „weit unter der Vorhersage des Neutrino-Modells“ liege, weil die bekannten Kandidaten sich zwanglos als verhüllte, aber lebendige Sterne erklären lassen.

Praktisch heißt das, dass ein Stern, der aus den optischen Aufnahmen verschwindet, kein Beleg für ein neu entstandenes Schwarzes Loch ist.

Wer das prüfen will, muss im Infraroten nachsehen, denn erwärmter Staub leuchtet dort weiter, während ein verschlucktes Sternenleben nichts zurücklassen würde.

Der zweite Teil der Arbeit, in dem Soker die schiefe Lage der Explosionswolke zum Ringsystem erklären will, ist deutlich unsicherer, und er nennt sein Szenario dort selbst spekulativ.

Meine Meinung dazu

Mich hat an dieser Arbeit weniger die Physik gepackt als die Perspektive. Dieselbe Sternexplosion, die wir seit 1987 als hellstes Ereignis am Südhimmel feiern, wäre für jemanden, der nur ein paar Grad weiter unten sitzt, jahrhundertelang ein Trauerfall gewesen, und zwar ein falscher.

Dass ein Ergebnis derart davon abhängt, wo man zufällig steht, ist ein Gedanke, den ich sonst eher aus der Relativitätstheorie kenne und nicht aus der Buchhaltung über Sterntode.

Wenn du das nächste Mal liest, irgendwo sei ein Stern spurlos verschwunden, denk an diesen Ring, und gib den Text jemandem weiter, der Sternenleichen bisher für eindeutig gehalten hat.

Noam Soker (Technion – Israel Institute of Technology, Haifa), arXiv-Preprint, 2026; arXiv:2608.24801

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