Der Ausbruch vom Oktober 2022 kam anders, als eine prominente Gegenthese es erwartet hatte. Ein internationales Team legt jetzt seine Auswertung vor und sagt, was daraus für das Schwarze Loch in OJ 287 folgt.
Ein internationales Team um Mauri Valtonen hat den hellen Ausbruch ausgewertet, den der Blazar OJ 287 im Oktober 2022 zeigte, und kommt zu dem Schluss, dass hier kein direkter Einschlag eines zweiten Schwarzen Lochs in eine Gasscheibe zu sehen war, sondern die verzögerte Folge eines früheren Einschlags.
Das ist mehr als Begriffsklauberei, denn andere Forschende hatten das Ausbleiben eines Einschlagsblitzes als Argument gegen das gesamte Doppel-Schwarzloch-Modell gewertet.
Den Ausschlag gaben Messungen der Polarisation, also der Frage, ob das Licht bevorzugt in eine Richtung schwingt, ergänzt durch Röntgendaten des Satelliten Swift.
Aus dem bestätigten Fahrplan der Ausbrüche leiten die Forschenden für das größere der beiden Schwarzen Löcher rund 18 Milliarden Sonnenmassen ab.
Ein Helligkeitsmuster, das bis 1888 zurückreicht
OJ 287 ist ein Blazar, also der Kern einer fernen Galaxie, dessen gebündelter Materiestrahl zufällig fast genau auf die Erde zeigt.
Weil Astronomen das Objekt seit 1888 fotografiert haben, existiert eine ungewöhnlich lange Helligkeitskurve, und in ihr wiederholen sich Ausbrüche in einem groben Takt von etwa zwölf Jahren.
Erklärt wird das Muster mit einem Modell, in dem ein kleineres Schwarzes Loch ein sehr viel größeres umkreist und dabei zweimal pro Umlauf durch dessen Gasscheibe schießt.
Diese Bahn dreht sich langsam im Raum, sodass sich die Einschlagzeitpunkte verschieben, und aus dem Tempo dieser Drehung berechnen die Forschenden die Masse des großen Schwarzen Lochs.
Zwei Arten von Ausbrüchen, die leicht verwechselt werden
Beim Durchschlag reißt das kleinere Schwarze Loch heißes Gas aus der Scheibe, das kurz darauf als Blitz aufleuchtet. Zusätzlich strömt Material nach innen, erreicht erst Monate später den Materiestrahl und erzeugt dort einen zweiten Ausbruch, der anders aussieht als der erste.
Für 2022 stand OJ 287 während des entscheidenden Zeitraums zu nah an der Sonne, um überhaupt beobachtet werden zu können; der erste, direkte Blitz fiel damit in eine Beobachtungslücke.
Die Kampagne zielte deshalb von vornherein auf den zweiten, den verzögerten Ausbruch im Oktober.
Durch ein Missverständnis, das auf einen Satz in einem frühen Manuskriptentwurf zurückgeht, nahmen andere Gruppen jedoch an, für Oktober 2022 sei der direkte Einschlagsblitz angekündigt worden, und werteten dessen Ausbleiben als Problem für das Modell.
Wer gemessen hat und womit
Erstautor Mauri Valtonen von der Universität Turku und rund zwanzig Kolleginnen und Kollegen stützen sich auf ein Beobachtungsnetz, das über den ganzen Globus verteilt ist, unter anderem auf das Krakauer Quasar-Überwachungsprogramm, die Universitätssternwarte Jena und den Himmelsdurchmusterer ATLAS.
Dazu kommen Geräte, die das Licht auf seine Schwingungsrichtung prüfen, und der Satellit Swift, der gleichzeitig im Röntgen- und im Ultraviolettbereich misst.
Die Arbeit liegt bislang als Preprint vor, eingereicht bei den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, aber noch nicht unabhängig begutachtet.
Warum das Team einen direkten Einschlag ausschließt
Die naheliegende Deutung war, dass der Oktober-Ausbruch der Einschlagsblitz selbst gewesen sein müsse.
Genau das schließen die Autoren aus, und zwar an einem Messwert, der sich in die eine oder die andere Richtung bewegen muss.
Bei einem direkten Einschlag sinkt die Polarisation des Lichts, weil sich das ungeordnete Leuchten des heißen Gases der geordneten Strahlung überlagert.
Im Oktober 2022 stieg sie stattdessen auf etwa 25 Prozent und lag damit deutlich über dem ruhigen Normalwert.
Dazu passt, dass die Röntgenhelligkeit den optischen Ausbruch überhaupt nicht mitmachte, obwohl beide Bereiche sonst gemeinsam ansteigen. Beides sind die bekannten Erkennungszeichen des verzögerten Ausbruchstyps.
Was daraus für die Masse folgt
Höhe und Zeitpunkt des Ausbruchs stimmen mit dem überein, was eine Simulation aus dem Jahr 2013 vorhergesagt hatte. Die erwartete zweite Komponente erschien ein Jahr später, etwa einen Monat früher als berechnet.
Damit bleibt der Fahrplan intakt, aus dem sich die Drehung der Bahn und daraus die Masse ergibt.
Sie beträgt 18,35 Milliarden Sonnenmassen, und wer diese Sonnen einzeln zählen wollte, eine pro Sekunde, wäre damit rund 580 Jahre beschäftigt.
„Wir haben gezeigt, dass im Oktober 2022 ein großer Ausbruch in OJ 287 stattfand und dass er in jeder Hinsicht dem entspricht, was von einem Gezeitenausbruch erwartet wurde“, schreiben die Forschenden.
Ein zweiter Weg zur selben Zahl
Unabhängig davon prüfte das Team eine ganz andere Methode, die aus der Breite einer Wasserstofflinie im Spektrum auf die Masse schließt.
Kritiker hatten damit einen viel kleineren Wert erhalten, allerdings ohne zu berücksichtigen, dass wir fast senkrecht auf die Gasscheibe blicken, was die Linien schmaler erscheinen lässt und die Masse entsprechend nach unten drückt.
Rechnet man diese Blickrichtung heraus, landet auch dieser Weg bei rund zwanzig Milliarden Sonnenmassen.
„Bemerkenswert ist, dass diese Bestimmungen zu einem Massenwert führen, der vollständig mit der dynamischen Masse übereinstimmt“, heißt es dazu in der Arbeit.
Bemerkenswert finde ich auch, dass ein Mitautor in derselben Arbeit einräumt, eine ältere Angabe habe auf einem simplen Ablesefehler an einer Diagrammachse beruht.
Meine Meinung dazu
Mich beeindruckt an diesem Paper weniger die Zahl als der Zeitraum, über den hier argumentiert wird.
Da werden Fotoplatten aus dem 19. Jahrhundert, eine Simulation von 2013 und eine Beobachtungskampagne von 2022 zu einer einzigen Kette zusammengesetzt, und die Kette hält.
Gleichzeitig zeigt der Streit mit der Gegenseite, wie viel in der Astronomie davon abhängt, dass alle über dasselbe Phänomen reden.
Wenn dich der Gedanke ebenso festhält, dass zwei Schwarze Löcher seit über hundert Jahren einen Takt schlagen, den wir auf alten Glasplatten nachlesen können, dann schick den Text jemandem weiter, der das noch nicht weiß.
Quelle: Mauri J. Valtonen (FINCA, University of Turku) et al., eingereicht bei MNRAS, 2026; arXiv:2609.04998
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