Zwölf Durchgänge des erdgroßen Planeten LP 890-9 c vor dem James-Webb-Teleskop ergeben die bislang empfindlichste Suche nach einem fremden Mond. Selbst ein Trabant von der Größe Europas hätte sich dabei verraten müssen.
Der erdgroße Planet LP 890-9 c hat keinen Mond, jedenfalls keinen, der größer wäre als ein mittlerer Trabant unseres Sonnensystems.
Bemerkenswert ist das, weil die Astronomie bisher gar nicht in der Lage war, so kleine Begleiter um fremde Planeten überhaupt auszuschließen.
David Kipping von der Columbia University hat dafür zwölf Durchgänge des Planeten vor seinem Stern ausgewertet, die das James-Webb-Teleskop für ein ganz anderes Forschungsprogramm aufgezeichnet hatte.
Das Ergebnis ist keine Entdeckung, aber es zeigt, dass Webb Monde aufspüren könnte, die es in unserem Sonnensystem wirklich gibt.
Warum bis heute kein einziger Exomond bestätigt ist
Um die Planeten unseres Sonnensystems ziehen Dutzende Monde ihre Bahnen, und niemand erwartet ernsthaft, dass fremde Planeten grundsätzlich anders gebaut sind.
Trotzdem gibt es bis heute keinen einzigen bestätigten Exomond, also keinen Mond um einen Planeten eines anderen Sterns.
Einzelne Kandidaten haben Astronomen zwar gemeldet, bestätigt ist davon keiner.
Das Problem steckt in der Größe, denn ein Mond verdeckt beim Vorbeiziehen nur einen winzigen Bruchteil des Sternenlichts, sehr viel weniger als sein Planet.
Mit dem Start des Webb-Teleskops schien der Sprung möglich, doch die beiden bisherigen Suchen um bereits bekannte Planeten blieben unter den Erwartungen.
Schuld war in beiden Fällen ein langsames, schleichendes Schwanken der gemessenen Helligkeit, das nichts mit dem Planeten zu tun hat und sich kaum von einem echten Signal trennen lässt.
Ein zweites Problem steckt in der Auswertung selbst. Ein Rechenmodell, das einen Mond zulässt, ist so beweglich, dass es bei einem einzigen beobachteten Durchgang fast jede Unregelmäßigkeit erklären kann.
Zwölf Durchgänge aus einem fremden Beobachtungsprogramm
Kipping suchte deshalb ein Ziel, das mehrere dieser Fehlerquellen von vornherein ausschließt, und fand es in LP 890-9 c, einem Planeten, der etwas größer ist als die Erde und fast genauso viel Strahlung von seinem Stern abbekommt.
Ein großes Beobachtungsprogramm hatte diesen Planeten zwölfmal mit einem Instrument aufgezeichnet, das ankommendes Sternenlicht in seine Farben zerlegt und dabei die Helligkeit sehr genau protokolliert.
Gedacht waren die Aufnahmen für die Frage, ob solche Welten eine Atmosphäre halten können, und sie standen sofort öffentlich zur Verfügung.
Die Rohdaten wertete Kipping zweimal aus, mit zwei unabhängig voneinander entwickelten Programmen, damit kein Ergebnis allein an den Eigenheiten einer Software hängt.
Seine Arbeit liegt bislang als Preprint vor und ist von unabhängigen Gutachtern noch nicht geprüft.
Was hinter den 14 Sekunden Verspätung steckt
Bevor er überhaupt nach dem Schatten eines Mondes suchte, prüfte Kipping die Ankunftszeiten. Ein Planet auf einer ungestörten Bahn müsste seinen Stern nach einem exakten Fahrplan passieren, doch LP 890-9 c hält ihn nicht ein.
Die Durchgänge kommen mal zu früh, mal zu spät, mit einer Schwankungsbreite von rund 14 Sekunden. Ein Mond kann genau das verursachen, weil er an seinem Planeten zieht und ihn dabei ein wenig aus dem Takt bringt.
Kipping drehte die Rechnung um und fragte, wie schwer ein solcher Mond sein müsste, um diese Verschiebung zu erzeugen.
Selbst auf der weitesten Bahn, auf der sein Hebel am größten wäre, käme er auf ein Achtel der Masse des Planeten.
Unter den Planeten des Sonnensystems erreicht kein einziger Mond ein solches Verhältnis, und ein so schwerer Begleiter hätte im Sternenlicht eine eigene, deutliche Delle hinterlassen.
Kipping suchte gezielt an den Stellen nach dieser Delle, an denen der Mond dann stehen müsste, und fand nichts. Die Verspätungen gehen damit sehr wahrscheinlich auf einen Nachbarplaneten im selben System zurück.
Wo die Grenze für einen Mond jetzt liegt
Erst danach folgte die eigentliche Suche nach dem Schatten eines Trabanten, und auch sie lieferte kein Signal.
Aus den Daten ergibt sich stattdessen eine Obergrenze. Ein Mond mit mehr als rund 640 Kilometern Radius, gemessen vom Mittelpunkt bis zur Oberfläche also etwa die Luftlinie von Hamburg nach München, wäre den Messungen nicht entgangen.
Diese Grenze gilt über den gesamten Bereich hinweg, in dem ein Mond den Planeten überhaupt dauerhaft umkreisen könnte.
Damit scheiden Begleiter aus, die es in unserem Sonnensystem tatsächlich gibt, unter anderem der Jupitermond Europa, der Saturnmond Titan und der Neptunmond Triton.
„JWST kann tatsächlich bis zu bemerkenswert kleinen Monden vordringen“, schreibt Kipping in seiner Studie.
Was das Ergebnis für die weitere Suche bedeutet
Dass um LP 890-9 c nichts zu finden war, überrascht Kipping selbst nicht. Der Planet umkreist seinen Stern sehr eng, und die dort wirkenden Gezeitenkräfte hätten einen größeren Mond über Milliarden Jahre hinweg vermutlich weggezogen.
„Unser Ziel ist zu zeigen, dass JWST empfindlich genug für Monde nach dem Muster des Sonnensystems ist“, hält er fest.
Für künftige Suchen zieht er zwei Lehren, denn eine einzelne, stark verrauschte Beobachtung ruinierte die Empfindlichkeit fast vollständig, während schon ein zweiter, sauberer Durchgang sie wiederherstellte.
Eine Nebenrechnung geht noch weiter. Kipping prüfte, ob auf LP 890-9 c jemals eine totale Sonnenfinsternis zu sehen wäre, bei der ein Mond die Sternscheibe exakt abdeckt, so wie es der Erdmond bei uns tut, und nach den Daten ist auch das unwahrscheinlich.
Dass sich diese Frage über die Distanz zwischen zwei Sternen hinweg überhaupt beantworten lässt, ist der Teil, den ich am liebsten weitererzähle. Wenn es dir ähnlich geht, schick den Artikel jemandem, der abends noch zum Mond hochschaut.
Meine Meinung dazu
Mich hat an dieser Arbeit weniger das Nichtergebnis beschäftigt als der Umgang damit. Kipping hat keine eigene Teleskopzeit beantragt, sondern öffentlich verfügbare Daten aus einem Programm genommen, das eine völlig andere Frage stellte.
Danach hat er die vielversprechendste Spur, die 14 Sekunden Verspätung, mit einer einzigen Rückrechnung selbst zerlegt, statt sie als Kandidaten zu präsentieren.
Neu war für mich, wie stark die Empfindlichkeit einer solchen Suche davon abhängt, dass mehrere Durchgänge vorliegen.
Ein Mondmodell kann bei einer einzelnen Beobachtung fast jede Unregelmäßigkeit schlucken, bei zwölf muss es zu einer festen Umlaufbahn passen, die alle Beobachtungen gleichzeitig erklärt.
David Kipping (Columbia University), arXiv-Preprint, 2026; arXiv:2609.05301
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