K2-18 b unter Verdacht: Neun andere Planeten entlasten das umstrittene Signal

Thomas Schmidt

7. September 2026

Ein Team aus Cambridge hat zehn Exoplaneten nach exakt demselben Muster durchleuchtet. Die verdächtigen Spuren finden sich nur bei K2-18 b und zwei ähnlichen kühlen Welten, nicht bei den heißen Riesen.

Ein Forschungsteam der University of Cambridge hat die Atmosphärendaten von zehn Exoplaneten mit ein und demselben Verfahren ausgewertet und dabei festgestellt, dass ungewöhnliche Spuren im Sternenlicht ausschließlich bei den drei kühlen, kleinen Planeten auftauchen, zu denen auch K2-18 b gehört.

Das ist deshalb bedeutsam, weil seit anderthalb Jahren gestritten wird, ob das viel diskutierte Signal dieses Planeten überhaupt von ihm selbst stammt oder bloß eine Macke des Teleskops ist.

Möglich wurde der Vergleich, weil das James-Webb-Teleskop inzwischen genug Planeten im mittleren Infrarot vermessen hat, dass sich die Datensätze gegeneinander halten lassen. Welches Molekül die Spuren erzeugt, bleibt trotzdem offen.

Was Webb bisher über K2-18 b gefunden hat

K2-18 b ist ein Sub-Neptun, also ein Planet zwischen Erd- und Neptungröße, für den es in unserem Sonnensystem kein Gegenstück gibt.

Zieht er vor seinem Stern vorbei, filtert seine Atmosphäre bestimmte Farben aus dem durchscheinenden Licht, und aus diesem Muster lesen Forschende ab, welche Gase dort oben schweben.

2025 berichtete eine Gruppe um Nikku Madhusudhan, in diesem Muster zeichne sich möglicherweise Dimethylsulfid ab, ein Gas, das auf der Erde fast ausschließlich von Meeresorganismen erzeugt wird.

Die Meldung ging um die Welt.

Warum viele Fachleute dem Signal nicht trauten

Der Haken lag in der Qualität der Messung, denn K2-18 b wurde im mittleren Infrarot nur ein einziges Mal beobachtet, und das Sternenlicht ist in diesem Wellenlängenbereich so schwach, dass die Messpunkte merklich streuen.

Mehrere Arbeitsgruppen zeigten anschließend, dass sich dieselben Ausschläge ebenso gut durch zufälliges Rauschen erklären lassen, durch bislang unbekannte Eigenheiten des Instruments oder durch ein völlig anderes Molekül.

Aus einer einzelnen Messung heraus war das nicht zu entscheiden, weil das Vergleichsobjekt fehlte.

Niemand wusste, wie ein solches Spektrum aussieht, wenn in der Atmosphäre ganz sicher nichts Ungewöhnliches steckt.

Wie das Team zehn Planeten vergleichbar machte

Martin Binet, Doktorand am Institute of Astronomy der University of Cambridge, hat dieses Vergleichsobjekt gemeinsam mit Nikku Madhusudhan, Måns Holmberg und Subhajit Sarkar beschafft, gleich neunfach.

Das Team sammelte sämtliche bisher veröffentlichten Beobachtungen, die mit dem MIRI-Instrument von Webb gemacht wurden, einem Spektrografen, der das Sternenlicht im mittleren Infrarot in seine Farbanteile zerlegt.

Anschließend wertete es alle Spektren mit demselben Rechenverfahren aus und suchte in jedem einzelnen nach derselben langen Liste möglicher Gase, von simplen Verbindungen wie Wasser bis zu exotischen Kohlenwasserstoffen.

Die Arbeit liegt bislang nur als Preprint vor und hat die unabhängige Begutachtung durch Fachkolleginnen und -kollegen noch nicht durchlaufen.

Was die Ähnlichkeiten zwischen den Spektren verraten

Die naheliegendste Erklärung für das Signal war ein Fehler im Instrument. Wenn MIRI systematisch Ausschläge produziert, die gar nicht vom Planeten kommen, dann müssten diese Ausschläge bei allen zehn Planeten an denselben Stellen sitzen, ganz gleich, wie der jeweilige Planet beschaffen ist.

Genau das prüfte das Team, indem es die Spektren paarweise gegeneinander legte und maß, wie stark sie sich ähneln.

Das Muster passte nicht zum Instrumentenfehler, denn K2-18 b ähnelt deutlich zwei anderen Planeten, nämlich TOI-270 d und TOI-732 c, die ihm in Größe und Temperatur verblüffend nahekommen.

Mit den heißen Gasriesen der Stichprobe hat sein Spektrum dagegen nichts gemein, während diese Riesen untereinander wiederum ähnlich aussehen.

Auch reines Zufallsrauschen scheidet damit als Erklärung weitgehend aus, weil Rauschen keine Familienähnlichkeit zwischen ausgerechnet den drei verwandten Welten erzeugen kann.

Wie heikel die Suche trotzdem bleibt, zeigte ein anderer Planet der Stichprobe.

Beim heißen Gasriesen WASP-17 b lieferte die Auswertung ausgerechnet Sulfurylchlorid als bestpassendes Molekül. Eine Verbindung, die auf der Erde in der Natur nie gefunden und im All nie nachgewiesen wurde.

Die Autoren halten dort schlichte Silikatwolken für die weit wahrscheinlichere Ursache. Das Verfahren wirft also durchaus Kandidaten aus, die chemisch keinen Sinn ergeben.

Nur die kühlen Welten zeigen komplexe Moleküle

In den sieben heißen oder großen Planeten der Stichprobe fand das Team keine einzige komplexe Verbindung, denn deren Spektren lassen sich vollständig mit einfachen Gasen wie Wasser und Schwefeldioxid beschreiben, oder sie sind ohnehin flach.

Die komplizierteren Moleküle tauchen ausschließlich bei den drei kühlen Sub-Neptunen auf.

K2-18 b kommt rechnerisch auf 280 Kelvin, also etwa sieben Grad Celsius, ein Wert, der eher an einen milden Herbsttag erinnert als an eine fremde Welt, während die Gasriesen der Stichprobe heiß genug sind, um Gestein zu schmelzen.

In ihrer Arbeit schreiben Binet und Kollegen, die beobachteten Merkmale gingen „eher auf Molekülabsorption als auf Instrumenteneffekte oder Rauschen“ zurück.

Was das für die Suche nach Leben bedeutet

Welches Molekül die Absorption verursacht, bleibt allerdings ungeklärt, und hier ist Vorsicht angebracht.

Für K2-18 b passen zahlreiche Kandidaten ähnlich gut, Dimethylsulfid gehört zu den wenigen, die sich über sämtliche verfügbaren Auswertungen des Datensatzes halten, ist aber weder der einzige noch der bestpassende.

Bei TOI-732 c führt Cyclohexan die Liste an, bei TOI-270 d Benzonitril, und keines dieser Moleküle taugt für sich genommen als Lebenszeichen.

Die Autoren halten fest, dass mehr Beobachtungen nötig sind, um die konkreten Moleküle zu bestimmen und zu klären, ob die zugrunde liegende Chemie biologisch oder rein anorganisch abläuft.

Immerhin ist Nachschub in Sicht, denn TOI-270 d bekommt eine neue MIRI-Messung, und mehrere Dutzend weitere Planeten stehen in den kommenden Webb-Zyklen auf dem Beobachtungsplan.

Falls dich der Gedanke ähnlich umtreibt wie mich, dass eine Handvoll kühler Welten sich chemisch offenbar wie eine Familie verhält, schick diesen Text jemandem weiter, der bei solchen Meldungen sonst nur abwinkt.

Meine Meinung dazu

Mir gefällt an dieser Arbeit, dass sie nicht versucht, die spannende Antwort zu geben, sondern die langweilige Frage zu klären, ob überhaupt etwas da ist.

Genau daran hakte die Debatte um K2-18 b seit dem Frühjahr 2025, und ein einzelner Datensatz konnte das nie leisten.

Gelernt habe ich vor allem, wie viel Aussagekraft im Vergleich steckt, denn erst neun weitere Planeten machen aus einem strittigen Wackeln ein Muster.

Gleichzeitig hat mich das Sulfurylchlorid bei WASP-17 b geerdet, weil es zeigt, wie leicht ein Rechenverfahren etwas findet, das niemand ernsthaft dort vermuten würde. Die spannende Frage ist damit nicht beantwortet, aber sie ist es jetzt wert, weiter gestellt zu werden.

Martin Binet (Institute of Astronomy, University of Cambridge), arXiv-Preprint, 2026; arXiv:2609.05264

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