Der wiedergeborene Stern: Sakurais Objekt meldet sich nach Jahren im Staub zurück

Thomas Schmidt

17. September 2026

Hinter der dunklen Wolke von Sakurais Objekt bläst wieder ein heißer Stern seinen Wind ins All. Er heizt sich allerdings deutlich langsamer auf, als manche Modelle vorhergesagt hatten.

Ein internationales Forschungsteam hat nachgewiesen, dass hinter der Staubwolke von Sakurais Objekt wieder ein heißer Stern leuchtet, der einen dichten Wind aus Kohlenstoff und Helium ausstößt.

Das ist bemerkenswert, weil dieser Stern vor rund drei Jahrzehnten kurz vor seinem Ende noch einmal aufgeflammt und seitdem hinter selbst ausgestoßenem Staub verschwunden war.

Die Forschenden zerlegten dafür das schwache Licht des Objekts mit einem Instrument am Very Large Telescope in Chile in seine Farben und verglichen es mit Computermodellen.

Dabei zeigte sich, dass der Stern sich langsamer wieder aufheizt, als einige Theorien erwartet hatten. Das verrät etwas darüber, was im Inneren eines sterbenden Sterns vorgeht.

Ein Stern, der sein Ende noch einmal aufschob

Die meisten Sterne wie unsere Sonne enden leise. Sie blähen sich am Lebensende zu Roten Riesen auf, stoßen ihre äußeren Schichten ab und schrumpfen zu einem Weißen Zwerg, einem erdgroßen, langsam auskühlenden Sternrest.

Bei manchen Sternen zündet auf diesem Weg allerdings noch einmal eine Heliumschicht, die sich um den Kern gelegt hat.

Dieser späte Heliumblitz bläht den fast erloschenen Stern in kurzer Zeit wieder zu einem kühlen Riesen auf, weshalb Fachleute von „wiedergeborenen“ Sternen sprechen. Danach heizt er sich laut Theorie erneut auf und kehrt auf den Weg zum Weißen Zwerg zurück.

Die extremste Form dieses Vorgangs haben Astronomen bisher nur bei sehr wenigen Sternen direkt verfolgt. Einer davon ist V4334 Sagittarii, besser bekannt als Sakurais Objekt.

Der japanische Amateurastronom Yukio Sakurai entdeckte den plötzlich aufleuchtenden Stern 1996. Sein älterer Verwandter V605 Aquilae erlebte seine Wiedergeburt schon Jahrzehnte früher und ist heute bereits wieder sehr heiß.

Warum der Stern so lange verborgen blieb

Kurz nach seinem Ausbruch schleuderte Sakurais Objekt große Mengen Material von sich, das zu Staub kondensierte und den Stern vollständig verhüllte.

Seitdem konnten Astronomen nur indirekt verfolgen, was dahinter geschieht, etwa über die Radio- und Infrarotstrahlung der Wolke. Einige dieser Messungen deuteten darauf hin, dass sich der Stern wieder aufheizt.

Die Radiostrahlung erwies sich jedoch als schwerer zu deuten als gedacht. Lange fand niemand im Licht des Objekts die typischen Spuren eines heißen Sternwinds, bis eine Gruppe um Griet Van de Steene vom Königlichen Observatorium Belgiens vor Kurzem meldete, dass solche Spuren womöglich auftauchen. Sicher zuordnen konnte sie diese noch nicht.

Wie das Team den verborgenen Stern vermaß

Ein Team um Wagner Marcolino vom Observatório do Valongo der Bundesuniversität Rio de Janeiro hat diese Spuren nun genauer untersucht.

Die Forschenden werteten Aufnahmen des Instruments FORS2 am Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte aus, das Licht in seine einzelnen Farben zerlegt.

In einem solchen Spektrum hinterlässt jedes Element helle Linien an ganz bestimmten Stellen, ähnlich wie einen Strichcode. Diese Linien verglich das Team mit einem Computerprogramm, das berechnet, wie das Licht eines Sterns aussieht, der ständig Gas nach außen bläst.

Die Studie ist bislang ein Preprint im Format der Fachzeitschrift Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. Unabhängige Fachleute haben sie also noch nicht begutachtet.

Wie das Team die Temperatur bestimmte und einen Einwand ausräumte

Normalerweise vermisst man einen Stern über seine Helligkeit. Bei Sakurais Objekt funktioniert das nicht, denn seine Entfernung ist unbekannt, und die Schätzungen liegen um ein Mehrfaches auseinander.

Ohne diese Angabe lässt sich nicht sagen, ob der Stern hell leuchtet und weit weg steht oder schwach leuchtet und näher ist.

Deshalb stützte sich das Team allein auf die Form und Stärke der Linien. Als Thermometer dienten Linien von Kohlenstoffatomen, die unterschiedlich viele Elektronen verloren haben.

Je heißer der Stern ist, desto mehr Atome in seinem Wind geben ein weiteres Elektron ab, und desto heller leuchten deren Linien im Vergleich zu den anderen.

Bei heißeren Modellsternen strahlten diese Linien deutlich zu hell, bei kühleren zu schwach. Eine schwache Linie, die nach einer noch heißeren Stufe von Kohlenstoff aussah, ließ sich nur mit Modellen erzeugen, die dafür den Rest des Spektrums verfehlten.

Am besten passte ein Stern mit rund 30.000 Grad an der Oberfläche. Weil einige Abweichungen bestehen blieben, geben die Forschenden vorsichtig nur einen Bereich an, in dem die Temperatur liegen dürfte.

Dann prüfte das Team einen naheliegenden Einwand. Womöglich stammen die Linien aus dem Gas, das der Stern beim Ausbruch ausgestoßen hat, und gar nicht aus einem Wind.

Radiobeobachtungen zeigen diese Wolke als sanduhrförmiges Gebilde, dessen Gas ähnlich schnell unterwegs ist wie der Wind im Modell.

Die Größenordnungen passen trotzdem nicht zusammen. Stünde Sakurais Objekt an der Stelle der Sonne, entstünde das gesamte Windspektrum in einer Zone, die kaum über die Marsbahn hinausreicht, während die Auswurfwolke Hunderte Male weiter draußen liegt.

Es wäre „ein bemerkenswerter Zufall“, schreiben die Forschenden, wenn ein Modell eines gleichmäßig ausströmenden Sternwinds die Linien so gut träfe, obwohl sie in Wahrheit in der unregelmäßigen Wolke entstünden.

Was die gemessene Temperatur über den Sternbrand verrät

Mit rund 30.000 Grad ist der Stern mehr als fünfmal so heiß wie die Oberfläche unserer Sonne. Für einen wiedergeborenen Stern ist das dennoch eher lauwarm.

V605 Aquilae strahlt heute schon weitaus heißer, weshalb das Team Sakurais Objekt als jüngere Ausgabe desselben Vorgangs einordnet. Ein früheres Modell hatte erwartet, dass Sakurais Objekt inzwischen schon rund 90.000 Grad erreicht, also ein Vielfaches des gemessenen Werts.

Dieses Modell erklärte den schnellen Ausbruch nur mit der Annahme, dass sich das Gas in der brennenden Heliumschicht kaum durchmischt.

Andere Rechnungen simulieren den Ablauf in sehr feinen Zeitschritten und gehen von einem etwas leichteren Sternrest aus. Sie erklären den schnellen Ausbruch auch ohne diese Annahme und sagen zugleich ein langsameres Aufheizen voraus.

Zu diesen Rechnungen passt der neue Messwert, auch wenn deren Urheber betonen, dass ihre Zeitangaben stark von rechnerischen Details abhängen.

„Wiedergeborene Objekte bieten eine seltene Gelegenheit, Sternentwicklung in Echtzeit zu beobachten“, schreibt das Team.

Solche Veränderungen dauern sonst Jahrtausende bis Jahrmillionen, hier verändert sich ein Stern innerhalb eines Menschenlebens messbar.

Die Forschenden wollen das Objekt deshalb weiter beobachten und seine Aufheizkurve Punkt für Punkt nachzeichnen. Wenn der Stern heißer wird, sollten auch die Linien der noch stärker geladenen Kohlenstoffatome deutlich hervortreten.

Meine Meinung dazu

Am meisten beeindruckt mich an dieser Studie der Weg zur Temperatur. Das Team kennt die Entfernung des Sterns nicht und kann ihn nicht einmal direkt sehen, und trotzdem liest es aus ein paar verwaschenen Linien ein Thermometer ab.

Ich habe gelernt, wie viel Arbeit in einem einzigen Spektrum steckt, und schätze, wie offen die Autoren mit den Stellen umgehen, die ihr Modell nicht erklärt.

Vor allem berührt mich der Gedanke, dass wir einem Stern zusehen, der nach seinem vermeintlichen Ende noch einmal aufflammte und sich nun wieder aufheizt, und zwar im Takt von Jahren.

Wenn du jemanden kennst, der glaubt, am Himmel passiere nie etwas, schick ihm diesen Artikel über einen Stern, dessen Wiedergeburt wir gerade live verfolgen.

Quelle: Wagner Marcolino (Observatório do Valongo, Universidade Federal do Rio de Janeiro), Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (Preprint, noch nicht begutachtet), 2026; Arxiv: 2609.18645

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