WISPIT 2: Zwei Planeten wachsen heran – doch ihr Stern ist heimlich ein Paar

Thomas Schmidt

27. Juli 2026

WISPIT 2 galt als einzelner Stern zweier junger Gasriesen – bis die Messung eine verborgene zweite Sonne enttarnte. Das erste je fotografierte werdende Planetensystem um einen Doppelstern.

Der junge Stern WISPIT 2, in dessen Staubscheibe erst kürzlich zwei Riesenplaneten beim Entstehen abgelichtet wurden, ist gar kein einzelner Stern – sondern ein enges Sternenpaar.

Damit ist WISPIT 2 das erste System überhaupt, in dem werdende Planeten direkt um einen Doppelstern fotografiert wurden, also um zwei Sonnen zugleich.

Aufgedeckt hat das ein Team um C. J. Bürgy vom Max-Planck-Institut für Astronomie mit zwei Spektrografen der Europäischen Südsternwarte.

Der Fund macht WISPIT 2 zum bislang einzigen Ort, an dem sich die Geburt von Planeten um zwei Sterne live studieren lässt.

Zwei Riesen beim Wachsen – ein seltener Glücksfall

Planeten entstehen in flachen Scheiben aus Gas und Staub um junge Sterne.

Sie dabei zu erwischen, ist extrem selten: Bis heute kennen Astronomen nur zwei Systeme, in denen sich Protoplaneten – noch in ihrer Geburtsscheibe steckende, unfertige Planeten – direkt abbilden lassen. Neben dem berühmten PDS 70 ist das WISPIT 2, ein gerade einmal rund fünf Millionen Jahre junger Stern in kosmischer Nachbarschaft.

In seiner mehrfach geringelten Scheibe wachsen zwei Gasriesen heran, jeder ein Vielfaches schwerer als Jupiter.

Der blinde Fleck im Zentrum

So gut die Scheibe und ihre Planeten inzwischen vermessen sind – der Stern selbst blieb ein Rätsel.

Ohne seine Masse, Temperatur und Aktivität lässt sich aber nicht sagen, unter welchen Bedingungen dort überhaupt Planeten entstehen.

Genau diese Lücke wollte das Team schließen.

Womit sie dem Stern auf den Grund gingen

Das Team um Bürgy nahm WISPIT 2 mit dem Instrument X-Shooter am Very Large Telescope ins Visier, ergänzt um mehrere Nächte mit dem FEROS-Spektrografen am 2,2-Meter-Teleskop der ESO.

Aus dem Sternenlicht lässt sich über winzige Verschiebungen der Spektrallinien ablesen, ob sich der Stern auf uns zu- oder von uns wegbewegt – die sogenannte Radialgeschwindigkeit.

Die Arbeit liegt bislang als Preprint vor, eingereicht als Letter beim Fachjournal Astronomy & Astrophysics, und ist damit noch nicht unabhängig begutachtet.

Der Messwert, der nicht passen wollte

Eigentlich sollten zwei Aufnahmen im Abstand weniger Wochen nur den Stern charakterisieren.

Doch zwischen beiden Nächten war seine Geschwindigkeit um rund 42 Kilometer pro Sekunde gesprungen.

Ein einzelner Stern hält sein Tempo – ein solcher Satz nach vorn und zurück verrät, dass etwas an ihm zerrt.

Das Team jagte den Verdächtigen mit fünf weiteren Nächten dicht hintereinander und stieß bei der Auswertung zunächst auf zwei mögliche Umlaufzeiten, die beide zu den Daten passten.

Die Zwickmühle löste erst ein unabhängiger Hinweis: Der Helligkeitsrhythmus, den das Weltraumteleskop TESS aufgezeichnet hatte, stimmte nur mit einer der beiden Lösungen überein.

Zwei Sonnen im Eiltempo

Heraus kam ein Doppelstern: ein sonnenähnlicher Hauptstern, etwas kühler und oranger als unsere Sonne, umkreist von einem deutlich leichteren Begleiter mit nur rund einem Drittel seiner Masse.

Während die Erde ein volles Jahr für einen Sonnenumlauf braucht, umtanzen diese beiden Sterne einander in weniger als fünf Tagen – auf einer Bahn enger als die des Merkur um die Sonne.

Zugleich zeigt der Stern kaum Anzeichen, dass er noch Material aus der Scheibe aufsaugt: Die schwache Wasserstoff-Emission deutet auf einen weitgehend „satten“, kaum noch fütternden Stern.

Warum das mehr ist als eine Fußnote

Mit diesem Nachweis wird WISPIT 2 laut den Forschenden zum ersten circumbinären System – einem System um zwei Sterne –, in dem werdende Riesenplaneten direkt abgebildet wurden.

Das ist mehr als ein Kuriosum: Ein enges Sternenpaar räumt im Zentrum der Scheibe eine Lücke frei und bremst den Materialfluss nach innen.

Genau das könnte solchen Scheiben helfen, länger zu leben und mehr Masse zu behalten – ein womöglich besonders günstiges Umfeld für große Planeten auf weiten Bahnen.

Vergleichbare Systeme kennt man bislang nur eine Handvoll, und WISPIT 2 ist das einzige, das man beim Bauen erwischt hat.

Ehrlich gesagt ist das der Gedanke, der bei mir hängen bleibt und den ich am liebsten sofort weitererzählen möchte: Was hier fotografiert wird, ist der doppelte Sonnenuntergang aus der Science-Fiction – nur echt, und mitten in seiner Entstehung.

Meine Meinung dazu

Mich fasziniert an dem Paper vor allem, wie beiläufig die große Entdeckung begann: Man wollte nur den Heimatstern sauber vermessen und fand dabei eine ganze zweite Sonne.

Das ist Wissenschaft von ihrer schönsten Seite – die eigentliche Überraschung stand nicht im Antrag.

Spannend finde ich auch die Bescheidenheit der Autor:innen: Die kreisrunde Bahn passt zwar hervorragend, doch sie betonen selbst, dass Form und Ausrichtung des Orbits erst mit weiteren Beobachtungen wirklich feststehen.

Diese offene Ehrlichkeit macht die Geschichte für mich glaubwürdiger als jede glatte Gewissheit.

Ausblick
Als Nächstes braucht es weitere Radialgeschwindigkeits-Messungen über mehrere Umläufe, um die Bahn und ihre Exzentrizität festzunageln, dazu Modelle der Scheibe aus ALMA-Beobachtungen.

Erst dann zeigt sich, wie genau die beiden Sterne und ihre Planeten zusammenspielen.

Quelle: C. J. Bürgy et al. (Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg), Astronomy & Astrophysics (Letter, eingereicht), 2026; arXiv:2607.22405.

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